Dienstag, 11. September 2018

experimental cooking

Sieht ziemlich ungemütlich aus heute. Windig, kalt, bewölkt. Da lässt die Euphorie schnell nach. Ich habe mir vorgenommen, heute alle noch erforderlichen Löcher in den Fels zu bohren - die Lust dazu hält sich jedoch sehr in Grenzen. Tausend Ausreden finde ich. also muss ich erstmal dringend Wäsche waschen! Das ist immer eine größere Aktion, weil ich ja von Hand waschen und das Wasser auf dem Herd erwärmen muss. Außerdem ist unser Wasser so weich, dass die Seife kaum rauswaschbar ist - Essig hilft da anscheinend.

Also gut - auf in den Kampf um die Felsen. Zuerst räume ich alles lose Material weg. Dann gibt es eine Menge Steine, die ziemlich locker  aber nicht von Hand herausbrechbar sind - dafür nutze ich den Bohrhammer mit Meißel. Meine Gedanken finden die Erinnerung an einen armen Algerier mitten in der Sahara, dem wir begegnet sind. Er war verurteilt, einen Brunnen in der Wüste zu bauen - weitab von jeder Behausung. Er hatte nur einen Hammer und einen Meißel, der an der Spitze stumpfer war als am hinteren Ende!
Eigentlich macht das sogar Spaß - man sieht gleich ein Ergebnis. Allerdings sind es eben ganz viele kleine Stücke, die ich dann mit Schäufelchen und Eimer zusammenräumen und wegtragen muss. Gegen Mittag hat der Abraumhaufen sichtbaren Zuwachs gewonnen. Bin stolz! Aber eigentlich wollte ich doch Bohrlöcher produzieren für den Sprengzement?! Es gibt nämlich noch eine ganze Menge fester Felsen, gegen die ich mit Meißel, Bohrhammer oder "Susi-Kraft" nichts ausrichten kann - da muss der Troll wieder helfen.
Von einigen Regentropfen lasse ich mich noch nicht stören, aber als der dritte Schauer hereinbricht gebe ich nach und bereite mir ein Mittagessen. "Experimental cooking" ist wieder angesagt: aus Lauch, Weißkraut, Zitronensaft, Chili und Öl bereite ich eine Marinade für die Makrelchen und lege sie dann auf einem Tiefkühl-Gemüsebett in den Mikrowellengrill. Mmh - ist sogar gelungen!
Widerwillig mache ich mich danach an die ungeliebte Arbeit - "Rücken" darf man dabei nicht haben. In gebückter Haltung treibe ich den Bohrer fast bis zum Anschlag in den Fels. Mein Ziel erreiche ich heute leider nicht. Eigentlich lerne ich gerade, dass ja nicht alles sofort fertig sein muss. Auf der anderen Seite läuft mir die Zeit davon. Die Tage hier sind gezählt und ich habe noch einige Pläne: Fels entfernen, Hägar reparieren, Badestamp abholen, meine Freunde auf Rolla besuchen und zu guter Letzt alles winterfest machen.

Um halb sieben breche ich mit Hägar auf - zuerst nach Liland zum Einkaufen. Dann nehmen wir einen neuen Weg Richtung Hauptstraße und fahren zur Tanke. Dort bin ich mit Astrid verabredet. Sie will ihre Männer vom Flughafen abholen und bringt mir einen größeren Anhänger mit, mit dem ich am Freitag hoffentlich den Badestamp abholen kann. Damit der Hänger nicht so leer daherkommt, hat sie mir einen Zwetschenkuchen drauf gepackt, hi hi. Astrid, Du bist ein Schatz! Ach, geht es mir so gut!


Der Rückweg führt zwangsläufig an meinem Fischplatz vorbei. Ein paar mehr Fische wollte ich schon noch mit nach Hause bringen. Mittlerweile ist das Wetter wieder schön, etwas abgekühlt aber die Sonne findet immer mehr Lücken zwischen den Wolken. Das Meer liegt spiegelglatt da. Der einsame Paddler kreuzt die Bucht bei Evenes. Selbst die Fische ruhen. Ich kann zwar an den Klippen einige schwimmen sehen, aber beißen mögen sie heute nicht. Ein Tanker zieht vorbei; als er schon fast am Horizont verschwunden ist, treffen seine Wellen endlich bei mir ein. Soooo langsam ist "Wassergeschwindigkeit".... Ein weiterer Angelversuch am Kai von Liavika ist leider ebenso erfolglos. Na ja, sei's drum.

Was mein Kopf in der Zwischenzeit so treibt? Nicht viel. Er hört sich diverse (hauptsächlich Blechbläser) Konzerte an und verfolgt einige Vorträge über Hirnforschung. Das Interessante dabei ist, dass der Hirnforscher eine ganz andere Sprache gebraucht, aber eigentlich die gleichen Aussagen trifft, wie die Quantenheiler. Seine Sprache ist eher nüchtern und nicht so euphorisch, die Schlussfolgerungen sind aber sehr ähnlich. Wir - die europäische Menschheit - sind in einer Sackgasse. Wir müssen umdenken, den Geist öffnen und kreativ an alle Themen und Probleme herangehen. Ich warte mal noch auf die Eingebung, wie ich das umsetzen könnte.....

Montag, 10. September 2018

Wolkenspiele

Hier zu Hause ist es heute 4 Grad wärmer als "zu Hause" in Beilngries! Angeblich ist das Glas für die Türe in Bogen angekommen, dort muss ich es anscheinend bei der Post abholen; mit dem Anhänger ist das hoffentlich kein Problem. Gut, dass ich Hägar habe!
Es dauert ein wenig, bis das Paket gefunden wird. Es ist ja nicht im Regal sondern im Lager - bei der Größe. Und schwer ist das Glas. Während die Administration gemacht wird, schaue ich das Teil etwas genauer an und sehe an einer Ecke eine kleine Schramme. Das verschwindet ja später hinter der Blende. Als ich die Scheibe auf den Einkaufswagen lege, um sie hinauszufahren, höre ich ein Klappern - Scherben??? Ich muss das Paket selbst öffnen, der Postbeamte darf das nicht. Und? Mist! Das Glas ist zerbrochen. Schadensbericht. Das besondere Problem ist, dass mein Architekt Olav die Scheibe bestellt hat. Sie wurde an die falsche Adresse geliefert und der private Empfänger hat sie dann weitergeschickt. So ist der jetzt in der Verantwortung - wenn's schief läuft, dann richtig! Ich beschließe, die Scheibe bei der Post zu lassen (auch wenn die nicht glücklich darüber sind), fotografiere den Schadensbericht und sende ihn an Olav. Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht.

Auf Steine klopfen habe ich immer noch keine Lust, also schaue ich mal nach der Klimaanlage - die soll von der Terrasse verschwinden und unter dem Haus montiert werden. Dafür ist eine kleine Plattform erforderlich, von der ich noch nicht genau weiß, wie ich sie gestalten soll. Einfach mal anfangen....wie immer. Und es funktioniert, auch ohne göttliche Eingebung. Stück für Stück entsteht die Plattform; das Schwierigste ist, die schwere Klimaanlage alleine dort hinaufzuheben! Von der Terrasse kann ich sie mit dem Sackkarren herunterfahren, aber auf die Plattform bekomme ich sie nur mit Kraft und Hebelwirkung hinauf. Anschließen - ist immer schwierig, klappt aber dank des Schnellverschlusses recht gut. Test - funktioniert! Ich bin sehr zufrieden. Holzarbeiten machen mir doch immer wieder Freude.
Zum Schluss wage ich noch einen Blick an die Felsen - wow, es zeigen sich Risse! Mann, bin ich froh! Da kann ich morgen die Brocken wegräumen und vielleicht schaffe ich noch eine weitere Lage zu bohren? Ach, ich kann es nicht lassen - mit den letzten Kräften muss ich "mal schauen", wieviel Steine jetzt abgesprengt sind...es sind ein paar ordentliche Trümmer dabei, die ich nicht ragen kann. Ich muss sie kippen und rutschen. Das, was von Hand wegzuräumen geht, erledige ich gleich noch, danach bin ich ordentlich versaut - die Nässe und der Steinstaub bilden eine eklige Schmiere.

Als ich nach 16 Uhr Feierabend mache, hat es draußen 22 und in der Hütte 28 Grad! Die Sonne hat ganz schön gewärmt. Wie das bei mir so ist, wenn ich im Fluss bin, habe ich mich selbst wieder ganz vergessen. Nichts gegessen oder getrunken. Das wird jetzt schnellstens nachgeholt.

Wetter? Wunderbar! Sonnig und warm, ein paar Wolken und anscheinend ständig ein leichter Wind. Nicht dass ich ihn gespürt hätte, aber das Meer rauscht ununterbrochen. Es ist schön! Ob ich nochmal angeln gehen soll?

Am Freitag soll mein Badestamp geliefert werden. Ich vertraue Frank nicht so recht, also möchte ich ihn gerne selbst abholen. Allerdings ist mein Anhänger dafür viel zu klein - vielleicht ist ja Uwes groß genug? Der Stamp hat 2 m Durchmesser, sein Anhänger misst 1,9 m. Könnte klappen...morgen Abend kommt Astrid zum Flugplatz, um ihre Jungs vom Flieger abzuholen. Da kann sie mir den Anhänger mitbringen. Und am Sonntag fahre ich auf Besuch nach Rolla, da kann ich ihn zurückbringen.


Der Abend ist noch früh, also fahre ich tatsächlich noch zum fischen. Es bläst ein warmer Wind von Osten. Er vertreibt die im Westen drohenden schwarzen Wolken, bringt aber hübsche weiße Wolkenformationen mit sich, die jetzt in der Abendsonne ein wunderschönes Schauspiel abgeben.
Ich fische fleißig gegen den Wind. 2 ordentlich Makrelen habe ich bereits aus dem Wasser, aber sie rutschen mir wieder vom Haken, bevor ich sie sicher an Land habe. Ein paar weitere spucken den Köder bereits im Wasser wieder aus. Lediglich mit 2 Baby-Makrelchen muss ich mich zufrieden geben. Na ja, auch recht für eine Mahlzeit.

Philosophien? Gibt es derzeit keine. Anscheinend haben mich die Erdarbeiten doch wieder auf den Boden der Tatsachen herunter geholt.

Sonntag, 9. September 2018

Einfach nur Sonntag


Ein neuer "Sonn"tag. Die Nacht war klar und Milliarden Sterne strahlten vom Himmel. Heute morgen regt ein laues Lüftchen das Meer zum rauschen an. Der Himmel ist strahlend blau aber etwas Dunst hängt in der Luft, so dass die Berge gegenüber blau sind. Die Sonne hat Kraft. Arbeiten? Heute? Mal schauen - aber heut beginne ich den Tag mal mit fischen....leider erfolglos. Auch am Ersatzplatz, der Kai in Liavika, geht nichts.
< Die Fische haben wohl auch Sonntag und sind alle in der Kirche. Zur Abwechslung bin ich mit dem Fahrrad gefahren, unterwegs treffe ich meinen Nachbarn Arne mit seines erschreckend kleinen "Mikrometer"-Hund beim Spaziergang. Sonst fahre ich immer stolz vorbei, aber nun halte ich an und wechsle ein paar Worte mit ihm. Besonders stolz ist er auf seine neue Errungenschaft "Strom" - er hat ein Solarpaneel, ein Windrad und für den Notfall einen Generator angebaut, alles mit 12 V. Kühlschrank und Herd werden mit Gas betrieben. Auch die Haustüre hat er versetzt, daher wohnt er noch nicht in der Hütte. Aber nächstes Frühjahr will er dann endlich aus seinem Wohnwagen ausziehen.

Einfach mal nix tun - mal schauen, wie lange ich das aushalte. Im Sessel sitze ich auf der Terrasse und lasse den Blick übers Meer schweifen, immerhin fast eine Stunde. Dann bekomme ich Hunger und darf daher aufstehen und etwas kochen. Danach geht aber das Faulenzen weiter - ich setze mich auf die großen Steinplatten direkt am Wasser und plansche mit den Füßen. Ich vermisse eine Sonnenbrille!

Am Nachmittag kann ich nicht mehr Nichtstun, aber an die Felsen hinterm Haus schaue ich heute nicht - das ist beschlossen. Es gibt eine Menge Kleinigkeiten, die sonst untergehen, die meisten davon schaffe ich in relativ kurzer Zeit:

  • In einem Regenablaufrohr ist die eingelegte Schnur durchgerutscht, die muss ich neu aufhängen. Dann bekommt dieses Rohr auch gleich noch eine Verlängerung mittels Drainagerohr, so dass das Wasser nicht mehr unter das Haus, sondern Richtung Nachbargrundstück läuft.
  • Ein Stapel Paletten und Holzplatten liegt ungünstig für Franks Bagger, den muss ich ein Stück versetzen.
  • Eine größerer Sache sind die Terrassendielen, die direkt an das Haus anschließen. Björn will (nächstes Jahr) die Terrasse in 3 Stücke sägen und sie wegkippen. Die erste Diele haben meine Monteure aber auf die Hausstützen geschraubt und danach die Hütte darüber gebaut, d.h. man kann sie gar nicht mehr abschrauben oder wegsägen. Ich versuche, die verdeckten Schrauben irgendwie abzureißen oder wegzuhebeln, aber wie das so ist, wenn sie brechen sollen, bleiben sie heil. Ich muss ihnen mit einem Eisen-Sägeblatt zu Leibe rücken. Ein weiteres Stück Terrassengeländer muss ebenfalls noch entfernt werden. 
  • Auch die Klimaanlage muss bei dieser Aktion losgeschraubt werden, aber sie soll ja ohnehin versetzt werden. Ich schaue mir gleich den neuen Platz an und plane ein wenig, aber für diese größere Arbeit fehlt mir heute die Lust.
  • Eine der Streben gegen die Stürme hat anscheinend schon zu viel zu tun bekommen, die Befestigungsschrauben sind abgerissen. Auch eine "Kleinigkeit".
Zum Abschluss des Genusstages versuche ich mein Glück nochmal beim Fischen - diesmal mit Hägar. Besonders beißfreudig sind die Fische immer noch nicht, aber immerhin gehe ich nach einer Stunde mit 2 schönen Makrelen nach Hause.


Samstag, 8. September 2018

Back to the roots

Ein neuer wunderschöner Tag! Beginnen wir ihn mit Ruhe und Entspannung - die unangenehmen Seiten zeigen sich früh genug.
Ein großer Schwarm Enten streicht mit großem Geplatsche an der Wasseroberfläche entlang, sieht aus, als ob sie übers Wasser laufen. Vor den Bootshäusern lassen sie sich nieder, sonnen und reinigen sich ein wenig und brechen dann zu einem Flug Richtung Narvik auf. Eine der Enten fliegt in großem Bogen zurück und dann dem Schwarm hinterher, grade so, als ob sie prüfen würde, ob auch niemand vergessen wurde. Ganz niedrig über dem Wasser gleiten sie dahin. Bei dem aktuellen Wasserstand ragt ein kleiner Fels so weit aus dem Wasser und glitzert in der Sonne, dass er aussieht wie eine Haifischflosse.
Das Telefon klingelt: es ist Scott aus L.A.!!! Von dem habe ich ja schon lange nichts mehr gehört - ich habe ihn und seine Frau Sandee in Alaska kennen gelernt und später ein paar Tage bei ihnen wohnen dürfen. Ist das eine herrliche Überraschung! Ich bin immer noch baff. Es ist ein wunderschönes und erfrischendes Gespräch - ich hoffe, es hält noch lange vor. Danke, mein Freund, das hat gut getan!

Zurück auf die Schattenseite des Lebens, oder besser gesagt: der Hütte. Ich fürchte, an den aktuellen Bohrstellen ist die Trollkraft nicht sehr wirksam. Dadurch dass hier ständig Grundwasser sickert, wird der Beton verwässert und wirkungslos. Hmmm...was kann ich tun? Mir fällt gerade keine Lösung ein - also erstmal lustig (und sinnlos?) drauf weiter bohren.

Ich nehme mir vor, nicht länger als bis 16 Uhr zu arbeiten. Der Plan ist, dann etwas fischen zu gehen, duschen auf dem Campingplatz und dann zum Abendessen zu Eva.
Tief kämpft sich der Bohrer in den Fels. Loch um Loch entsteht. Während die äußere Welt mittlerweile ziemlich automatisch abläuft, bohren meine Gedanken in meinem Leben (siehe unten).
Die Maschine steht - was ist geschehen? Hab ich sie überlastet? Nein, um die Ecke schaut grinsend Ragnar, er hat den Strom ausgesteckt um mit mir reden zu können. Er möchte gerne die Sackkarre haben, um seinen alten Kühlschrank (gestern gab's einen neuen) ins Bootshaus transportieren zu können.
Kurz nach 14 Uhr habe ich den östlichen Felsblock durchlöchert - Zeit für eine kurze (?) Pause. Tomatensuppe mit Tiefkühlgemüsemix soll mir nochmal Kraft verschaffen (Tomatenkraft?), verursacht aber leider auch wieder Zahnschmerzen. Egal, da muss ich halt durch.

Der Plan ist leider nicht ganz aufgegangen - erst gegen 17 Uhr schließe ich die Arbeiten für heute ab. Viel Hoffnung auf Erfolg habe ich leider bei dem vielen Grundwasser nicht. Meine Arbeit ist getan, nun liegt es am Troll, seine Kräfte am Felsen auszulassen. Das Fischen fällt der Zeitknappheit zum Opfer, aber die Dusche gönne ich mir. Schließlich bin ich "offiziell" bei Nachbars eingeladen, da möchte ich mich wenigstens ein bischen hübsch machen.
Eva hat einen köstlichen Nudelauflauf zubereitet, ganz nach meinem Geschmack: mit viiiiel Käse, viel Kochschinken, etwas Gemüse. Dazu gibt es Wein und zum Abschluss verköstigen wir ein paar Liköre. Der Abend wird länger als gedacht und ich bin froh, dass ich den Blog schon geschrieben habe. Es wäre sicher nix Gescheites mehr herausgekommen. Da ich aufgrund von Arbeit heute keine Bilder gemacht habe, muss ich doch für Euch noch schnell was zaubern - mit dem Fahrrad torkle ich noch kurz ein paar Meter weiter, um einen schönen Schnappschuss zu erhaschen.




Mein (bisheriges) Leben im Rückblick
war eigentlich gar nicht übel! Im Gegenteil, eigentlich bin ich ein Glückskind. Trotzdem lohnt es sich, über die Stationen nachzudenken.
Als Kind wollte ich immer wie mein Bruder sein. Ich glaube, ich war oft neidisch auf ihn. Dabei hat er mir wahrscheinlich viele Steine aus dem Weg geräumt und ich konnte in seinem Windschatten entspannt aufwachsen. Seit meinem ersten eigenen Fahrrad konnte ich meinen Freiheitsdrang damit mehr oder weniger gut befriedigen. Immer mehr unterwegs oder bei Freunden als zu Hause. Die Abenteuer bestanden in der Erkundung von verschütteten unterirdischen Gängen, im - wie ich dachte - verbotenen Rauchen in brandgefährlicher Umgebung (Dachboden oder Möbelwagen mit herausquellender Holzwolle). Später war mein Forscherdrang in Form von missglückten chemischen Experimenten an der frisch geweißelten Zimmerdecke zu sehen. Ich glaube, meine Umwelt hat sich daran mehr gestört als ich. In dieser Zeit haben mich Physik und Mathe (lehrerabhängig) gefesselt. Am meisten hat mich stets interessiert, ob oder wie meine wilden Ideen in der Realität umsetzbar wären. So habe ich auch ein "perpetuum mobile" erfunden  - enttäuschend nur, dass Jim Knopf mit seiner Emma damit schneller war und seine Lokomotive mit Hilfe eines Permanentmagneten angetrieben hat. "Werden" wollte ich dennoch lieber Trapper in Kanada! Keine Ahnung warum. Die Naturverbundenheit? Das forstliche Elternhaus? Egal. Ich habe das Ziel verfolgt und erfahren, dass es zum auswandern hilfreich ist, einen in Kanada gesuchten, handwerklichen Beruf mitzubringen. Meine Freude an der Technik hat mich dann zum Automechaniker gebracht. Aber das sollte ja nur Mittel zum Zweck sein. 
Mit der ersten großen Liebe haben sich dann aber auch die Pläne geändert. Dennoch bin ich meiner Fachrichtung treu geblieben und habe ein Ingenieurstudium durchgezogen. Irgendwie hat sich dann nach und nach einfach alles so ergeben, ich habe keine großen Entscheidungen mehr gefällt. Über einen kleinen Umweg habe ich dann doch einen Arbeitsplatz bei meiner Lieblingsfirma bekommen. Dass ich dort überwiegend administrative Arbeiten durchführen sollte empfand ich als Preis dafür, aber es war nicht schlimm. Anscheinend unmerklich habe ich mich wohl von meinen Plänen immer weiter entfernt. Mein Beruf hat mir Spaß gemacht, und wenn gerade einmal nicht, dann habe ich mir gesagt: Du hast diesen Beruf gewählt, dann musst Du eben auch die Durststrecken aushalten!
Lange Jahre durfte ich viele Freiheiten genießen und Arbeitsprozesse gestalten. Hier wird Logik und Effizienz verlangt - Dinge die mir liegen und die meinem Geist ausreichend Nahrung geben. Auch finanziell war das ein Glücksgriff - in den Urlauben konnte ich mir daher auch meine vielen Reisen gönnen. Meine Freiheit - 4 Wochen jährlich! Manchmal auch länger.

Aber anscheinend ist doch irgendetwas auf der Strecke geblieben. Das Feuer, die Neugier, der Funke, der Neues entstehen lässt, scheint nicht mehr da zu sein. Aus den Augen verloren. Aber jetzt geht diese Etappe, das Arbeitsleben, zu Ende - eine gute Chance, sich wieder auf die Suche nach dem Funken zu machen.
Trapper in Kanada ist nichts geworden, aber eine Hütte am Fjord in Norwegen ist mindesten genauso schön. Etwas luxuriöser sogar und etwas alterstauglicher. Statt Biber zu fangen und Bären zu jagen, gehe ich jetzt eben fischen. Statt unendlicher Wälder habe ich ein herrliches Meer um mich herum. Statt endloser Weiten sind es jetzt krasse Berge. Also - EIN Traum ist schon mal in Erfüllung gegangen. Nun muss ich noch etwas für meinen Geist finden. Back to the roots - zurück zur Physik?



Freitag, 7. September 2018

Nise!


Gestern war ich ziemlich müde und folglich schon bald im Bett. So komme ich heute morgen bereits um halb acht aus den Federn. Die Sonne blendet, vor den Bergen gegenüber ruht ein schmales Wolkenband über dem Fjord. Die Berggipfel ragen darüber hinaus. Gelegentlich regt sich ein leichtes Lüftchen, das die Wasseroberfläche matt werden lässt. So eine friedliche Ruhe!
Kjetil hat mir gestern erklärt, wo der allerbeste Fischplatz im Fjord ist. Dort ankert auch eine Boje. Warum das der beste Platz ist? Der Fjord ist dort eigentlich sehr tief, aber es erhebt sich ein Riff genau dort. Darum schwärmen die Fische sehr gerne. Es ist schon spannend, welche Unterwasserlandschaft es gibt - ich nehme an, die krasse Überwasserlandschaft setzt sich einfach unter Wasser fort. Aber ich kann sie eben nicht sehen.

Der ganze Vormittag geht noch flöten mit Umräumarbeiten unter und um das Haus. Es ist warm und mir läuft der Schweiß über die Stirn. Björn und Anne-Lise führe die Hunde spazieren und wir begrüßen uns herzlich. Björn wird später herüberkommen, um die "Anti-Frost-Strategie" zu besprechen. Einen guten Morgen auch auch an Eva und Ragnar - sie müssen heute nach Harstad, um einen neuen Kühlschrank zu kaufen. Eva macht mir für das morgige Abendessen schon den Mund wässrig.
Mit Björn führe ich später einige Fachgespräche, darüber hinaus phantasieren wir ein wenig über einen möglichen Schwimmsteg. Einige andere Geschichten kommen auch zum Vorschein. Björn sieht einen Lachs springen, ich sehe nur noch die Wellenkreise. Das Thema "Terrasse abbauen" kann Björn übernehmen, aber erst im nächsten Frühjahr. Vermutlich wird er sie dazu in Stücke sägen müssen, die dann abgekippt werden. Meine Idee, ein kleines Dächlein einzuziehen um Hägars Garage trocken zu bekommen findet er gut. Ja, ich habe noch viiiiiel Arbeit vor mir. Ich sollte mich wieder den Felsen hinterm Haus widmen, aber auf der Ostseite. Dort kommt man auf jeden Fall nicht mit den großen Maschinen hin.
Als ich mit den Aufräumarbeiten fast fertig bin, führt ein junger Mann seinen Hund vorbei. Er kommt von der Hütte oben auf dem Berg. Ich gehe mich vorstellen und erfahre, dass er Dan heißt und am Flugplatz arbeitet. Ich glaube aber, seine Eltern haben das Haus gekauft.
15 Uhr - Zeit für eine Pause und eine kleine Stärkung. Schließlich will ich ja den Felsen noch etwas zu Leibe rücken. An meinem Lieblingsplatz auf meiner Lieblingsbank mit unbeschränkter Sicht auf den Fjord lasse ich mich von der Sonne wärmen. Und da sind sie - meine "niser" (so heißen Schweinswale auf norwegisch)! Ihretwegen habe ich mich in dieses Fleckchen Erde verliebt! Ich höre sie schnaufen und sehe kurz ihre Rücken - 2 Stück sind es. Dann zockelt ein mickriges Motorböötchen mit großem Getöse vorbei und sie sind weg. Krach mögen sie gar nicht. Von der anderen Seite zieht eine größere Motorjacht vorbei. Es ist sehr interessant, welche Wellenmuster und unterschiedlichen Oberflächen das Wasser nun aufweist. Und wie groß die Wellen am Strand sind, die eintreffen lange nachdem die Boote weg sind.

Gegen 16 Uhr beginne ich dann endlich mit der Felsbohrerei. Die Bohrmaschine macht oft einfach, was sie will, sie schlägt wild um sich und verpasst mir einige blaue Flecken. Selbst wenn alles glatt läuft, braucht man für ein einziges Loch 10 min! 12 Löcher schaffe ich heute noch - dann bin ich kaputt. Es ist 18 Uhr und ich rühre noch den Sprengbeton an, damit die Trollkraft schon gleich anfangen kann zu wirken. Morgen muss ich gleich morgens weitermachen.
Zum Feierabend fahre ich wieder nach Evenestangen, nach den Fischen schauen. Die sind heute wohl satt, zumindest mag keiner meinen Köder. Ist ja aber nicht schlimm - es ist auch schön, einfach nur da draußen zu sein und den Sonnenuntergang zu erleben. Auf dem Rückweg unterhalte ich mich noch mit einer jungen deutschen Familie, die heute Nacht hier campen werden. Für heute Abend habe ich mich mit Björn und Anne-Lise verabredet. Auf dem Weg liefere ich bei Ragnar und Eva noch kurz je eine Medizin ab, vielleicht hilft sie ja gegen Halsschmerzen und Verstauchung. Mit einer fröhlichen Unterhaltung endet dann der Tag - zum philosphieren war heute keine Zeit. Muss ja auch nicht immer sein.....

Donnerstag, 6. September 2018

Spieglein Spieglein im Fjord....

Es ist so herrlich: ich muss nur die Terrassentür öffnen und das Meer empfängt mich mit plätschern oder rauschen. Je nach Wind- und Schiffsverkehr-Lage. Der Wetterbericht verspricht für heute und morgen weiterhin Sonne. Der Tag ist eigentlich viel zu schön zum arbeiten, aber es muss ja weitergehen. Die Zeit rennt mir davon, hoffentlich wird der nächste Winter mild, ich werde sicher nicht alle Maßnahmen fertiggestellt haben.
Auf nichts ist mehr Verlass - nichtmal auf das Ende des Regenbogens!  Dieses taucht nämlich bei Narvik in den Fjord ein und spiegelt sich dort - kein Ende sondern ein weiterer Bogen...

Fangen wir also mit dem Abbau der Terrasse an, besser gesagt, des Geländers. Die Arbeit ist nicht so schwer und ich bin die ganze Zeit in der Sonne mit Blick auf den Fjord. Ich würdige ihn leider viel zu wenig. Das mühsam aufgebaute Geländer! Hat mich viel Arbeit gekostet - jetzt muss es wieder weg. Aber, wie gesagt, eigentlich will ich es ja gar nicht haben, es behindert meinen Blick. Bis zum Nachmittag dauert der Abbau - ich genieße schon die freie Sicht. Zeit übrig habe ich aber nicht. Frank und Björn wollen angeblich "am Abend" kommen - schaun wir mal. Bis dahin sollte ich das Holz zum großen Teil verräumt haben. Aber wohin? Am besten wäre unterm Haus, im Trockenen. Mir fällt nur der schmale Absatz ein, auf dem ich Restholz zusammengetragen habe. Das muss jetzt weichen. Erstmal einfach den Abhang hinunter. Oder teilweise in den Windfang, dann habe ich an Weihnachten bereits trockenes Holz für den Ofen im Haus. Danach baue ich eine abenteuerliche Konstruktion aus Balken, Paletten und Betonsteinen, damit das Holz weit genug vom Boden weg ist und von allen Seiten Luft bekommt. Nun muss ich sämtliche für die Verkleidung des Unterbaus vorgesehenen Bretter erneut umschichten - eine schweißtreibende Arbeit. Als ich fast fertig bin, fängt Kjetil eine Diskussion über diese miserable Welt mit mir an. Wie weit denn sein Boot "Noah shark" wäre? Fertig!  Na ja, außer...ein Motor und die gesamte Elektrik fehlen noch. Ich dachte, das hätte er schon? Also wird es dieses Jahr noch nichts mit dem zu Wasser lassen.
Ich mache mich wieder an die Aufräumarbeiten, eine undankbare Arbeit. Nichts geht voran, kein Fortschritt ist zu sehen. Bis zu den Felsen hinterm Haus bin ich heute gar nicht gekommen. Da tauchen meine Nachbarn Ragnar und Eva auf! Wir freuen uns alle sehr über das Wiedersehen und für Samstag bekomme ich eine Einladung zum Abendessen.
Essen ist eine gute Idee - seit dem Frühstück habe ich nur ein Flasche Wasser zu mir genommen. Der Kühlschrank gibt Krautsalat, Kartoffelbrei und Rosenkohl her. Das Mahl genieße ich bei frischen 12 Grad auf meiner Freie-Sicht-Veranda. Die rosa im Abendrot glimmenden Berge spiegeln sich im glatten Wasser - es ist so still.




Genie & Wahnsinn
Ich glaube, ich drehe mich im Kreis. Viele dieser Gedanken hatte ich schon mal, vermutlich müssen sie einfach ganz oft gedacht werden bis es weiter geht. 
Ich lese und höre von Physikern, Heilern, Klangkundlern, Hirnforschern und Menschen, die von sonderbaren Erfahrungen erzählen. Viele unterschiedliche Vorstellungen und Weltbilder. Aber vielleicht sind die Bilder gar nicht unterschiedlich? Sie werden nur unterschiedlich beschrieben? Die verschiedenen Menschen benutzen unterschiedliche Sprachen um das selbe zu beschreiben. Vermutlich gibt es dabei auch einige "Nachbabbler", die das gehörte nacherzählen, aber davon keine wirkliche Vorstellung haben. Ein paar Geschäftemacher werden auch dabei sein, die der Menschheit das große Glück versprechen.

Wer hat echt was zu sagen und wer nicht? Wer kann das beurteilen? Ich denke mal, man spürt es den Menschen an, ob ihre Theorien auch ihre Überzeugung ist. Selbst wenn sie dann Phantastereien erzählen, ist es für sie selbst doch die Wahrheit. Nur weil ich mir / wir uns vieles nicht vorstellen können, muss es ja nicht unwahr sein.
Wer hätte vor Jahrhunderten gedacht, dass der Mensch einmal fliegen kann - immerhin kommt ein Wingsuit echtem fliegen schon ziemlich nahe. Hätte Troubadix im alten Gallien jemals geahnt, dass der Mann im Mond vielleicht ein Amerikaner ist?

Alles ist möglich!
Man muss nur - wie in der Wissenschaft Voraussetzung - die richtigen Annahmen zu Grunde legen und kann dann die schönsten Gedankengebäude darauf aufbauen!

Wenn wir heute nicht zurück sondern nach vorne schauen, wer kann entscheiden, welche Blickrichtung die richtige ist? Die wissenschaftlich mess- und erklärbare? Die getönte oder die gefühlte? Welcher Weg ist der richtige? Führen alle Wege zum gleichen Ziel? Und was ist das Ziel?
So viele große Gedanken bewegen mich, dass ich mich dabei schon wieder selbst vergesse! Wo habe ich mich denn mal wieder verloren? Was helfen mir die Spinnereien, wenn ich Kopf- und Zahnschmerzen habe und die Hütte nicht winterfest bekomme?

In manchem scheinen sich alle Geschichten und Theorien zu ähneln: ICH bestehe aus mehr als meinem sichtbaren Körper. Wieviel weitere Energiefelder zu mir gehören, wie diese aussehen, wie sie schwingen und wie sie zusammenspielen wird mit unterschiedlichen Worten dennoch sehr ähnlich beschrieben. Und es scheint etwas zu geben, das dauerhafter ist als mein Körper - vielleicht sogar unendlich lange besteht. Warum wir darüber nichts (mehr) wissen? Warum wir mühsam Theorien darüber aufstellen? Es scheint vieles zu geben, was die Menschheit schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden kennt und weiß. Vielleicht ist es so wie mit den Kindern, die sich alle mal die Finger verbrennen müssen um Hitze kennen zu lernen. Vielleicht müssen wir in jedem Leben alles Wissen für uns selbst wieder erarbeiten. Manche sind gut darin, andere weniger. Vielleicht hören wir nicht auf den Rat der Älteren - alles muss "invented by me" sein.
Es gibt Verschwörungstheorien die besagen, dass "jemand" uns Menschen absichtlich von der Erkenntnis fernhalten will, uns zu dummen Werkzeugen macht. Das geht mir nun doch zu weit, welchen Zweck sollte das haben? Und selbst wenn, für mich ist nur wichtig, dass ich tun und lassen kann, was ICH will.


Mittwoch, 5. September 2018

Shoppen


Yeah - ist das ein fantastischer Tage heute! Leider habe ich den Anfang schon wieder verschlafen. Spiegelglatt liegt mir das Meer zu Füßen. Bei Balangen auf der gegenüberliegenden Seite kriechen weiße Nebelschwaden entlang eines Tales in den Fjord hinein. Hägar, das ist ein Tag für einen Ausflug! Schnapp Dir Deinen Rucksack (Anhänger) - wir gehen shoppen! Besuchen wir Harstads "Männer-Kindergärten". Die heißen hier nicht Hornbach, Bauhaus oder Obi, sondern Biltema, Jula oder Byggmaker. Die Fahrt macht richtig Spaß - die Sonne lacht, überall sind Boote auf dem Wasser unterwegs. Unter der Tjeldsundbrücke strahlt ein türkisfarbenes Meer.

Bei Jula, hatte ich mir letztes Jahr einen kleinen Kompressor gekauft, der im Frühjahr kaputt gegangen ist. Die sollen dort mal schauen, was hier zu machen ist. Pech - Garantie seit 4 Wochen abgelaufen, einschicken kostet 250 Kronen und dann kommen Material und Arbeitszeit dazu - das ganze Teil hat 600 Kronen gekostet. Ich glaube, das lohnt sich nicht. Immerhin hat der junge Mann den Fehler festgestellt, der Luftschlauch ist direkt am Anschluss im Gehäuseinneren geplatzt. Ansonsten macht der Bursche aber keinen besonders kompetenten Eindruck - Kabel und Schlauch hat er einfach aus dem Gehäuse herausgerissen. Er soll mir noch beim Kauf einer Pumpe helfen, insbesondere bei den erforderlichen Schlauchanschlüssen. Ziellos irrt er umher und greift willkürlich nach Schläuchen oder Befestigungen. Was er mir andrehen will ist einfach nur Murks. Zu guter Letzt habe ich meine 7 Sachen beieinander und ein fast gutes Gefühl.
Fast hätte ich jetzt die wichtigste Sache vergessen, die Trollkraft! Die gibt es beim Byggmaker nebenan. Oder zumindest gab es sie letztes Mal dort. Nach längere Suche finde ich 3 kleine Päckchen (2,5 kg) für jeweils >250 Kronen (ca. 25 €). Ich brauche aber 20 kg! Als ich nach ca. 20 min einen Verkäufer auftreiben kann, meint dieser, am Montag käme wieder eine Lieferung. Das geht ja gar nicht! Er versteht mich und hat eine Idee: ein Telefonat - wenn ich 20 kg für 1250 Kronen haben will, kann die Ware in ca. 2 h da sein. Das klingt nach einem guten Plan!

Die Wartezeit vertreibe ich mir in der Stadtmitte im Hafen. Die Sonne wärmt wunderbar,  von einer kleinen Insel schießt eine Katamaran-Fähre heran. Kurz vor dem Hafen macht sie eine Vollbremsung und schleicht dann durch den Hafen. Sie dreht 2 mal auf der Stelle und verschwindet dann wieder. Was das wohl war?
Das Hafenbecken ist voll von Quallen - denen möchte ich nicht im Wasser begegnen, auch wenn sie eigentlich ganz hübsch aussehen. Von oben gesehen haben sie 4 purpurne Ringe, wie ein vierblättriges Kleeblatt; von unten sieht das Innere ein wenig wie ein Seestern aus. Sie bewegen anmutig ihre klare Hülle, bewegen sich aber kaum fort. Zumindest nicht in eine erkennbare Richtung. Umschwärmt werden sie von Milliarden winzig kleiner Fischchen - keine Ahnung, welche Sorte.
Es gibt ein Hafenterminal mit einem kleinen Cafe, die haben auch Tische und Stühle in der Sonne stehen. Ich schaue mal rein und finde jede Menge Andenken, besonderer Schokoladen und "Pretzel-Triangel", die aus Deutschland importiert wird. Ich finde das lustig und komme mit den jungen Besitzern ins Gespräch. Sie sind aus Polen und ganz nett. Ja, ich darf mich draußen einfach so ein wenig hinsetzen.
Zurück im Baumarkt bin ich etwas zu früh - der Troll ist noch nicht angekommen. Dauert aber nicht mehr lange. Bezahlen muss ich in bar, direkt an den Boten - die Ware hat der Verkäufer des Baumarkts "fremd" organisiert. Und - es kostet jetzt nur noch 1000 Kronen (ca. 100 €), also nur etwa der halbe Preis, wie wenn ich die kleinen Pakete zusammengekauft hätte. Da freut sich doch das sparsame Schwabenherz! Noch mehr, als es auf dem Heimweg bemerkt, dass der Sprit an der Haustanke über 20 Ct teurer ist, als ich am Morgen in Harstad bezahlt habe.

Der Himmel ist nun etwas bewölkt, die Heimreise folglich nicht mehr so euphorisch. Schön ist es trotzdem. Sobald sich hinter mir einige Fahrzeuge aufgestaut haben (mehr als ca. 70 km/h fahren wir nicht), biege ich beim nächsten Parkplatz oder Bushaltestelle kurz ein und lasse die Schlange vorbei. Um 18 Uhr, als wir zu Hause sind, ist der Tag ja eigentlich gelaufen. Betrachten wir ihn eben als "Urlaubstag", den ich bei herrlichem Wetter in fantastischer Natur genießen durfte. Aber irgendwie kann ich das nicht - den ganzen Tag "nichts tun". Ich meine, keinen Fortschritt sehen... Also kontrolliere ich kurz meine Sprengbohrungen und nehme mir dann mal den Kompressor vor. Sein Gehäuse ist besser gesichert als Fort Knox - 11 Schrauben halten es zusammen. 4 oder 5 hätten bestimmt gereicht! Innen drin sieht alles ziemlich einfach aus, der Schlauch ist schnell und ca. 3 cm gekürzt und neu angeschraubt. Eine unmotiviert herumfallende Schraube findet auch wieder einen sinnvollen Platz und ansonsten nutze ich die Chance, den ganzen angesammelten Dreck zu entfernen. Zusammenbauen. Gut 1/4 Stunde hat der Zauber gedauert - so lobe ich mir das!
Nun zur neuen Pumpe. Die soll später mal Meerwasser in meinen noch nicht vorhandenen Badestamp pumpen. Ich möchte sie heute mit meinen Wasserkanistern schon mal ausprobieren. Ich schließe alles an, montiere die Schläuche und fülle sie mit Wasser. Beim dritten Versuch pumpt sie dann, aber wie schon befürchtet, ist einer der Schlauchanschlüsse nicht dicht und das Wasser spritzt nebendran heraus. Da werde ich nochmal bei Jula vorsprechen müssen... What next? Ja, mit der Terrasse könnte ich zumindest schon mal ein klein wenig anfangen. Es ärgert mich schon, dass ich die mühsam montierte Verkleidung aus zig Leisten jetzt wieder abbauen muss - nicht weil sie so schön ist (ich mag sie ja gar nicht), sondern weil ich mir soviel Mühe damit gemacht hatte. Viggo und Randi winken im Vorbeifahren.

Feierabend - es ist schon 8 Uhr und ich möchte ja meine Makrele noch genießen! Ich habe beschlossen, sie zu grillen - für den Räucherofen ist sie zu groß. Außerdem kann ich ja dann meine Feuerstelle testen. Im Feuermachen bin ich noch kein so großer Künstler wie im Regenmachen, aber da habe ich ja auch noch nicht so viel Erfahrung. Kann ja noch kommen.
Die Luft wird jetzt schon empfindlich kühl, es hat noch 12 Grad, aber mein Fisch kommt zusammen mit den Kartoffeln ganz schön ins Schwitzen. Hmmmm, der Geschmackstest fällt sehr positiv aus. Ich fürchte, ich entwickle mich vom "Fisch-nicht-Esser" noch zum Fischliebhaber. Ich wußte gar nicht, dass Makrelenfleisch so lecker sein kann! Gut's Nächtle!